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Unsere Sugarloaf-Ananas

Unsere Sugarloaf-Ananas

28.02.2020

Die Geschichte der getrockneten Bio-Ananas von WAD ist auch die Geschichte von Patrick und Christiane. Patrick Deegbe hat vor gut 30 Jahren sein Agronomiestudium in Ghana abgeschlossen und 1991 seinen Master an der ETH Zürich gemacht. Zurück in Ghana trifft er Christiane, Krankenschwester aus dem Kanton Waadt. Sie verlieben sich, kommen zurück in die Schweiz und gründen eine Familie.

Nach einem weiteren Masterstudium in Umweltwissenschaften arbeitet Patrick in der Umweltzertifizierung von Unternehmen und Landwirtschaftsbetrieben in Ghana. Doch die Mandate bleiben rar. Fortan pendelt Patrick zwischen seinen beiden Welten, dem Waadtland und Afrika. Im Kontakt mit einer Bauernkooperative wird die Idee eines gemeinsamen Bio-Anbauprojekts geboren. Zu Beginn konzentrieren sie sich auf den Anbau von Kräutern für den lokalen Markt. Doch mangels Kühlmöglichkeiten muss das wieder aufgegeben werden. Dann lässt sich Patrick ein paar Kartons frische Ananas schicken. Die Sorte Sugarloaf ist länglich, gross, aussen grün mit fast weissem Fruchtfleisch. Auf den ersten Blick entspricht sie so nicht gerade dem Bild einer reifen Ananas. Doch das Aroma ist fantastisch, die Früchte süss und saftig! So startet das Bioprojekt unter dem Namen WAD (Weija Agricultural Development) definitiv mit dem Anbau der Sugarloaf-Bio-Ananas. Zuerst vermarktet Patrick Deegbe die Ananas frisch mit einem Stand auf Wochenmärkten und über Bioläden und Gastrobetriebe in der Region. Bald ist die beliebte Ananas als «l’ananas du Patrick» weitherum bekannt.

Die ersten Früchte werden getrocknet

Da der Transportaufwand für frische Früchte hoch ist und der Verkauf anspruchsvoll, wird bald darauf eine Trocknungsanlage für die Früchte installiert. Dank Patricks Studium kann die Verarbeitung gemäss hohen Qualitätsstandards eingerichtet werden. Die Ananas werden sehr schonend bei tiefen Temperaturen mit warmer Luft getrocknet. Im Produktionsgebäude gibt es eine separierte Reinzone für das Schneiden, Trocknen und Abpacken der Früchte. Abgesehen von leichten Unterschieden im Reifegrad, wird so eine sehr hohe, gleichbleibende Qualität erzielt. Die getrockneten Ananas werden im Ursprung in 1kg-Beutel verpackt und umweltschonend im Schiffscontainer nach Europa geliefert.

Dank direktem Handel bekommen die Ananasbauern den grössten Teil der Wertschöpfung aus dem Anbau und der Verarbeitung. Das Projekt wird aus der Schweiz aber auch zusätzlich mit Gerätschaften wie z.B. Landmaschinen, Einrichtungen für die Verarbeitung und Know How unterstützt. Dank einer Fairtradeprämie können die Bauern in Eigenregie soziale Projekte wie Schulen oder gemeinschaftliche Anschaffungen finanzieren. Für die Verarbeitung konnte 2015 eine Photovoltaikanlage aufgebaut werden, die jährlich ca. 10'000 kWh Energie produziert. Zudem wurde in eine Biogasanlage und ein Wasseraufbereitungssystem investiert.

Mit dem Genuss der getrockneten Bio-Ananas aus dem Dorf Ekumfi in Ghana unterstützen Sie als Konsument das nachhaltige Bioprojekt der ghanaischen Bauern. Das Dorf kann seine Unabhängigkeit wahren und mit Produkten aus eigenem Anbau versorgen. Dank Investitionen in Schule und Bildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen kann die Abwanderung in die Grossstadt, wo prekäre Lebensumstände und Kriminalität drohen, vermindert werden. Wir von Mahler & Co. freuen uns, dass wir dieses Projekt mit dem Verkauf der getrockneten Ananas, Mangos, Papayas und Kokosstreifen seit 20 Jahren unterstützen dürfen.

Die Verarbeitung der Ananas erfolgt mit viel Handarbeit aber gemäss hohen Standards

5 Fragen an Patrick Deegbe von WAD

Was sind die Hauptunterschiede zwischen dem biologischen und dem konventionellen Ananas-Anbau?

Der Anbau von Bio-Ananas ist arbeitsintensiver, da keine Agrochemikalien wie Unkrautbekämpfungsmittel und chemische Düngemittel verwendet werden. Die mechanische Entfernung von Unkraut auf unseren Ananasfeldern ist sehr schwierig, da sich auf den Ananasstauden Stacheln befinden, die ohne geeignete Kleidung zu Verletzungen führen. In der konventionellen Landwirtschaft werden Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt. Bei uns darf die Natur Ihre Arbeit verrichten, um qualitativ hochwertige Früchte zu liefern, ohne die Früchte mit Chemikalien zu belasten.

Wie lange dauert es, bis Eure Ananas ausgereift ist und welche Arbeitsschritte sind bis dahin notwendig?

Für die Sugarloaf-Ananas, welche die Wad-Bauern anbauen, dauert es 2 Jahre, bis sie zur vollen Reife kommen. Da die Ananas nicht über Samen vermehrt wird, werden die Ableger von abgeernteten Stauden wieder eingepflanzt. Das Land wird mit Machete und Steckholz vorbereitet. Nach dem Pflanzen ist die Unkrautbekämpfung die Haupttätigkeit auf dem Bauernhof. Die Blüten der Ananas erscheinen etwa nach 18 Monaten und nach weiteren 6 Monaten sind die Früchte ausgereift.

Wann habt Ihr mit Eurem Ananas-Projekt in Ekumfi begonnen? Wie viele Familien leben heute davon?

Wad begann im Jahr 2000 mit Bauern aus Ekumfi Atwia zu arbeiten, das ist nun genau 20 Jahre her.. WAD ist als Genossenschaft organisiert.
Das Unternehmen hat zum Ziel, sich der Bekämpfung der Armut und der ständigen Abhängigkeit der armen Landbevölkerung Ghanas zu widmen..
Kleinbauern werden in ihrem Kampf für die Verbesserung ihres Lebensstandards unterstützt, indem sie  im ökologischen Landbau geschult werden und der Betrieb entsprechend organisiert wird.
WAD schafft Mehrwert, indem es die  Produkte selber verarbeitet und auf einem  internationalen Markt absetzt.
Aktuell leben 32 Bauern mit ihren Familien vom Ananasanbau. Bei der Verarbeitung zu Trockenfrüchten sind weitere 50 MitarbeiterInnen beschäftigt.

Wie können wir uns die Feldwirtschaft in Ekumfi vorstellen?

In Ekumfi Atwia wird das Landwirtschafssystem der Buschbrache praktiziert. Das bedeutet, dass das Land etwa 5 Jahre lang kultiviert wird, um es dann etwa 10 Jahre lang brach liegen zu lassen. Die Brachzeit ermöglicht es dem Boden, seine Fruchtbarkeit auf natürliche Weise zu regenerieren, bevor die Landwirte zur Kultivierung auf dieses Feld zurückkehren. Auf diese Weise bleibt auch der Lebensraum für wilde Tiere und Pflanzen bestmöglich erhalten.

Was sind die grössten Herausforderungen für das WAD Ananas-Projekt?

Die Herausforderungen betreffen verschiedenen Ebenen. Auf dem Feld ist es zum Beispiel die Abhängigkeit vom Regen, da die Betriebe nicht bewässert werden. Zu viel oder zu wenig Niederschlag beeinträchtigen den Anbau. Bei der Verarbeitung ist die Energiezufuhr problematisch, da manchmal Strom abgeschaltet wird und ein Generator verwendet werden muss. Das erhöht die Produktionskosten. Auf der Verkaufsebene ist die Mengenprognose die grösste Herausforderung, da sich der Anbau über mehr als zwei Jahre erstreckt.

Patrick Deegbe hat zusammen mit seiner Frau Christiane das Projekt WAD im Jahr 2000 initiiert.

Ananas-Anbau: Allgemeine Infos & Geschichte

Mit der Eroberung Amerikas kam die «Königin der Früchte» erstmals nach Europa. Die Indios kultivierten sie schon seit Jahrhunderten zu Nahrungs- und Heilzwecken. Wegen des markanten Aussehens wie Pinienzapfen, nannten sie die Spanier piña, was zur englischen Bezeichnung pineapple führte. In der Kolonialzeit verbreitete sich der Anbau in alle tropischen Gegenden der Welt, so auch nach Asien und Afrika. Bereits ums Jahr 1900 gab es einen namhaften Handel mit Ananaskonserven. Aber auch mit frischen Früchten wurden die Märkte bereits versorgt, zum Beispiel aus Hawaii für den US-Markt und von den Kanarischen Inseln oder den Azoren für Europa.

Probleme der Massenproduktion

Die enorm steigende Nachfrage und der Druck, immer günstigere Massenware zu produzieren führten zu riesigen Monokulturen, unter anderem in Costa Rica, auf den Philippinen oder in Ghana. Die Ananaspflanze, ein Bromeliengewächs, hat nur sehr geringe Ansprüche an die Bodenqualität. Als Blattsukkulent kann die Pflanze viel Wasser speichern und darum längere Trockenperioden überstehen. Die spärlichen Wurzeln brauchen die Pflanzen mehr zum Festhalten als zur Nährstoffversorgung. Wasser und Nährstoffe werden über die dichten Blattrosetten gespeichert. In diesen kleinen Wasserreservoirs leben Kleintiere wie Insekten. Bromeliengewächs nutzen die tierischen Ausscheidungen oder Abbauprodukte als Nährstoffquelle und nehmen diese über die Blätter auf. Die Ananas selber ist eine Scheinfrucht, bei der viele einzelne Früchte zu einem grossen Fruchtstand verschmolzen sind. Die Frucht ist steril, d.h. sie bildet keine Samen. Die Vermehrung geschieht darum über Seitentriebe, die als Stecklinge verwendet werden können.

Die typische Blattrosette der Bromeliengewächse dient als Wasser- und Nährstoffsammler

Um schnelles Wachstum und grosse Früchte zu erzielen, werden die Ananasstauden im konventionellen Anbau massiv mit Kunstdünger versorgt und mit – bei uns zum Teil verbotenen – Pestiziden schädlingsfrei gehalten. Um die Ananasstauden alle zum gleichen Zeitpunkt zum Blühen zu bringen, wird als weiter Chemikalie Kalziumkarbid auf den Feldern ausgebracht. Durch diesen «Trick» werden die Ananasfrüchte zum gleichen Zeitpunkt reif und können so viel effizienter geerntet werden. Wenn man bedenkt, dass es bis 24 Monate dauert, bis eine Ananas erntereif ist und diese dann in Discountern für weniger als 3 Franken oder 2 Euro zu kaufen ist, wird daraus definitiv ein ökologisch bedenklicher Genuss.

Schonende Bio-Produktion

Da der konventionelle Anbau in Monokulturen grosse Umweltprobleme mit sich bringt, bewirkt die Wahl von Früchten aus biologischem Anbau einen umso grösseren Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz. Da die Ananaspflanzen mit Ihren Wurzeln den Boden kaum befestigen, ist die Erosion ein grosses Problem. Im Bio-Anbau kann durch Bemulchung, Mischkultur mit anderen (Nutz-) Pflanzen oder die Pflanzung unter Mango- oder Cashewbäumen die Erosion verhindert werden.

Es gibt auch viele Nutzpflanzen, die Schädlingszyklen und Krankheitsdruck unterbrechen. Da im biologischen Anbau nicht einfach künstliche Düngemittel über die Blätter gespritzt werden können, ist die Nährstoffversorgung der Ananas eine Herausforderung, der mit Bodenverbesserung durch Kompost und organische Düngung begegnet wird. Bohnen, Gemüse und Futterpflanzen für Tiere sind als Nebenkulturen besonders effektiv. Es gibt auch biologische Ananasfelder, auf denen Hühner gehalten werden und durch Ihr Scharren die Nährstoffe in den Boden einarbeiten, schädliche Insekten eindämmen und gleichzeitig für eine natürliche Düngung sorgen. Solche nachhaltigen, aber aufwändigen Kreislaufsystem sind nicht für grosse Flächen konzipiert und können deshalb nur in kleinbäuerlichen Strukturen realisiert werden.
Nur beim biologischen Anbau von Ananas gibt es keine Probleme mit Pestizidrückständen, weder in den Böden, im Grundwasser noch in der Ananas. Ein weiterer, sehr direkter Vorteil für den umweltbewussten Konsumenten.

Keine Monokultur: Farmer der WAD-Kooperative auf seinem Bio-Ananasfeld mit vielen Beikräutern.

Fotos: WAD, Patrick Deegbe

Text: Stefan Jost, Mahler & Co.

Kontakt Blog-Redaktion: blog@mahlerundco.ch

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