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Zu Besuch bei der Ölmühle Walz

Zu Besuch bei der Ölmühle Walz

13.05.2022

Der Mühleladen und der Müller

Unscheinbar, aber wie ein Relikt einer anderen Zeit liegt die Ölmühle inmitten der Industrie vom Städtchen Oberkirch. Wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um eine historische Ölmühle handelt, würde man glatt daran vorbeifahren. Vielleicht aber wäre das emsige Ein- und Ausgehen der örtlichen Bevölkerung im Mühleladen ein Hinweis auf das verstecke Kulturgut.

Der moderne und schön eingerichtete Laden lässt schon vermuten, was hinter den Kulissen passiert. An der Decke, über der Theke, sind 2 grosse, alte Riemengetriebe, Transmissionen genannt, aufgehängt. Hinter der Theke und zwischen der Ölabfüllanlage, wo man das eigene Ölgefäss auffüllen lassen kann, hängt ein Schwarz-Weiss-Bild eines alten Ehepaares, Herr & Frau Walz wie wir später erfahren werden.

Empfangen werden wir von Jochen Hättig, welcher über der Mühle mit seiner Familie lebt und hier aufgewachsen ist. Wenn der sympathische und bodenständige Deutsche vom Familienbetrieb erzählt, merkt man ihm an, dass die Mühle nicht sein Arbeitsort, sondern sein zuhause ist. Eindrücklich erzählt er, dass die Ölmühle sehr wohl wachsen könnte, dies aber gar nicht ihre Absicht ist. Jochen und seine Schwester Sylvie, welche die Mühle betreiben, wollen das historische Handwerk beibehalten, das gesunde Betriebsklima nicht aufs Spiel setzen und so weitermachen wie bisher und die Tradition weiterführen. Das heisst, Öle von höchster Qualität herstellen und dabei Spass und Zeit für einen Schwatz mit der Kundschaft im Mühleladen haben. Dass die Ölmühle Walz seit Jahrzenten die Öle für Dr. Hauschka, Farfalla und viele andere Topmarken herstellt, erwähnt der bescheidene Ölmüller nur am Rande.

Die Zeitreise beginnt

Dann nimmt uns Jochen Hättig mit auf eine Mühlenführung und eine Zeitreise, fast 200 Jahre zurück.  Nach wenigen Minuten befinden wir uns hinter dem Haus, am Oberkirchner Gewerbekanal, beim Herzstück der Ölmühle: dem Wasserrad. Das riesige, hölzerne Rad dreht sich unerschöpflich durch die Kraft des kleinen Kanales und lässt die rohe Kraft, welche erzeugt wird, erahnen. Wir folgen der Achse, an welcher das Wasserrad angebracht ist, ins Innere der Ölmühle, vorbei an eindrücklichen, alten Maschinen welche unaufhörlich pumpen, drehen und arbeiten. Zu unserer Verwunderung alles ganz ohne Sicherheitsmassnamen oder Abschrankungen. Man kann sich gut vorstellen wie hier, mit genau diesen Maschinen, schon vor hundert Jahren gearbeitet wurde.

Stolz zeigt uns Jochen die ersten beiden Maschinen: Schneckenpressen welche zu unserer Freude voll im Einsatz sind. Auf der einen, älteren Maschine wird Leinöl gepresst während die Andere Senfkörner zu Öl verarbeitet. Der warme Presskuchen wird vorne an der Maschine als dünne, warme Wurst ausgepresst, während das edle Öl seitlich wie ein goldener Faden in die Eimer rinnt. Jochen erklärt uns, dass er alle Öle kaltpresst, das heisst die Öle dürfen beim Austritt die Temperatur von 40°C nicht übersteigen. Kaltgepresste Öle werden zudem lediglich gepresst und nicht weiterbehandelt. So bleiben die Inhaltsstoffe und Vitamine erhalten und der Rohstoff geschont. Raffinierte Öle hingegen werden nach dem Pressen weiterverarbeitet und haltbargemacht. Ein weiterer Vorteil des kaltpressens: die charakteristische Eigennote des Öles bleibt erhalten. Die Beschreibung dieser hohen Qualität nennt sich Nativ.

                                                                                                               

In der Ölmühle Walz werden ausschliesslich kaltgepresste, native Öle produziert, was heisst, dass die Walz Öle ausschliesslich für die kalte Küche oder für den Non Food Bereich geeignet sind. Jochen ermutigt uns, vom Senfpresskuchen zu probieren und führt aus, dass die Schärfe des Korns im Presskuchen bleibt und nur ein Hauch davon im Öl zu spüren ist.

Es geht weiter in den Hauptraum der Mühle, wo ein Produktionsmitarbeiter eindrücklich und in Handarbeit gerade Weizenkeimöl produziert. Die Ölmühle Walz ist die einzige Mühle Deutschlands welche Bio-Weizenkeimöl herstellt. Dies liegt zum einen daran, dass frische Weizenkeime sofort verarbeitet werden müssen. Das heisst wenn die Mühlen Rohware haben, muss Jochen die Produktion komplett umkrempeln und sofort alles auf Weizenkeimöl umstellen. Andere Ölmühlen können nicht so flexibel arbeiten und würden schon hier organisatorisch scheitern. Zum anderen liegt es in der sehr kleinen Ausbeute. Für 1 Liter Öl benötigt es ca. 1 Tonne Weizenkeime! Wir fragen Jochen warum er sich das denn antut? Ganz einfach, weil er von der Wirkung des Öles überzeugt ist und einmal mehr: Walz ist nicht auf Profit, Wachstum und Optimierung aus, sondern produziert aus Überzeugung und mit Herzblut! Weizenkeimöl enthält zudem rekordverdächtige Mengen an Vitamin E, welches die Haut von innen nach aussen pflegt, sdas Immunsystem stärkt und positive Auswirkungen auf Blutdruck und Cholesterin aufweist.

Wir schauen dem Produktionsmitarbeiter noch eine Weile bei der Arbeit zu, während uns Jochen über die Maschinen, Transmissionen, Zylinder und Arbeitsweisen aufklärt. Nachdem die Weizenkeime im Kollergang von den Mühlsteinen zerkleinert wurden, werden Sie sorgfältig angewärmt (nicht über 40°C) und von Hand in die Zylinder der Stempelpressen geschichtet. Dieser wird anschliessend sehr langsam und stetig zunehmend unter Druck gesetzt. Mit bis zu 350 Bar Druck arbeitet die historische Presse aus dem Jahr 1919, während dahinter das goldene Öl in den Sammelbehälter tröpfelt. Wir staunen ab dem Handwerk und der kleinen Ausbeute. Aber einmal mehr wird uns eindrücklich aufgezeigt; Qualität wird konsequent vor Quantität gestellt.

Anschliessend geht es weiter zu Abpackerei, Versand, und weiteren Räumlichkeiten des alten Häuschens. Am Schluss stehen wir wieder im Mühleladen und treffen auf Sylvie, Jochens Schwester und Geschäftspartnerin, welche für das Personal und den Laden verantwortlich ist. Sie und Jochen erklären uns Ihre Einkaufsphilosophie und weshalb Sie welche Sortimente führen. Viele Produkte erkennen wir aus dem eigenen Sortiment wieder und merken einmal mehr, dass wir mit den beiden auf einer Wellenlänge sind.

Zum Abschluss

Wir schliessen unseren Besuch mit einem gemeinsamen Mittagessen im Städtchen Oberkirch ab. Jochen und Sylvie scheinen im Ort eine Institution zu sein, alle winken und lachen den beiden zu und halten einen kurzen Schwatz. Es macht Freude, um solche Menschen zu sein und wir sind uns einig: Mit der Ölmühle Walz haben wir einen tollen, einzigartigen Partner mit wunderbaren Bio Produkten gewonnen.

Kontakt Blog-Redaktion: blog@mahlerundco.ch

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