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Besuch auf dem Wendelinhof

Besuch auf dem Wendelinhof

06.09.2019

Der KAGfreiland Betrieb im Aargauischen Niederwil wird in 3. Generation von Lukas und Esther Vock geführt. Er zählt zu den Pionierbetrieben bezüglich Freiland-Tierhaltung. Lukas' Vater Hans Vock war einer der ersten, der Mutterkuhhaltung mit Angusrindern und Poulethaltung im Freiland einführt. Er war Mitgründer der Labelorganisation KAGfreiland, welche für höchste Bio-Standards für Tierhaltung steht. Bei unserem Besuch an diesem Septembermorgen ist uns Edith Vock während unseres Hofrundgangs Red und Antwort gestanden.

Esther, Vock eine Frage vorab: Was hat es mit der Bezeichnung Wendelinhof auf sich?

Als Lukas' Grossvater den Betrieb von seinem Vorgänger in den 1950er-Jahren übernahm, müsste der Hof einen Namen haben. Die damaligen Besitzer mussten den ganzen Tierbestand zuvor zweimal wegen Maul- und Klauenseuche eliminieren. Um dem Hof ein gutes Omen zu geben, hat man ihn nach dem Schutzpatron der Hirten, dem heiligen Wendelin, benannt.

Wir stehen hier vor einem Freiland-Gehege, wieviel Auslauf haben die Hühner?

Unsere Tiere sind von morgens 7 Uhr bis zum Eindunkeln draussen auf der Weide. Am Abend und bei Regenwetter ziehen sie sich in den Stall zurück. Wir haben ein mobiles Stallsystem mit jeweils 400 Vögeln. So können wir die Gehege immer wieder verschieben. Durch den natürlichen Scharrtrieb gibt es natürlich immer Stellen im Gehege, auf denen der nackte Boden zum Vorschein kommt. Da wir die Ställe und die Gehege immer wieder verschieben, kann sich auch die Vegetation erholen und die Hühner haben immer frisches Grünzeug zum Picken. Sie mögen zum Beispiel Klee sehr gerne.
Auch unser «Weihnachtsgeflügel», die Gänse und Truthähne, haben praktisch maximalen Auslauf. Die Truten verziehen sich tagsüber teilweise in den nahegelegenen Wald und kommen dann am Abend wieder in den Stall zurück. Der nahe Wald ist in dieser Beziehung natürlich herrlich, bietet für unsere Vögel aber auch Gefahren. Zum Schutz gegen Füchse sind die Gehege rundum eingezäunt und gegen Raubvögel mit Netzen bedeckt. Zudem haben wir in Bodennähe einen Elektrozaun. So können wir den Fuchs recht gut in Schach halten. Doch ab und zu gelingt es einem dieser Räuber doch, den Zaun zu durchbrechen und erheblich Schaden anzurichten.

Eure Poulets sind unter der Bezeichnung «Mustica» im Verkauf. Was heisst das genau?

Mustica ist der Name unserer extensiven Hühnerrasse. Das heisst, dass diese Tiere sehr gut an das Leben im Freiland angepasst sind. Sie sind vom Typ her vergleichbar mit den Bresse-Hühnern, welche im Burgund seit Generationen im Freiland aufgezogen und extensiv gehalten werden. Mustica-Hühner sind robust, wachsen langsam und kommen gut mit unserem vielfältigen Futterangebot zurecht. Wir setzen schon seit Jahren auf die eigene Zucht und selektionieren auch unsere eigenen Muttertiere für die Weiterzucht.

Robust heisst auch weniger krankheitsanfällig?

Genau, das ist ein weiterer Vorteil. Da wir eigene Muttertiere haben und die Küken ab dem ersten Tag bei uns auf dem Hof sind, gewöhnen sie sich an unser hofeigenes Mikroklima und bauen so ein starkes Immunsystem auf. So können wir absolut strikte auf Antibiotika und auf die umstrittene Gentech-Impfung verzichten. Durch die Haltung in kleinen Gruppen, den Standortwechsel der Ställe und dem Einsatz von Homöopathie betreiben wir aktive Gesundheitsförderung. Die Tiere erhalten 100% gesundes Biofutter, welches frei von Leistungsförderern, Jod, Medikamenten und gentechnisch veränderten Organismen ist. Die Mustica-Rasse lässt sich auch nicht in dem Sinn Mästen und in kurzer Zeit auf das Schlachtgewicht bringen. Unsere Hühner haben wir zwischen 12–13 Wochen auf dem Hof. In konventionellen Mastbetrieben werden die Mastpoulets innert 4–5 Wochen zur Schlachtreife gebracht. Da der Bewegungsapparat mit der rasanten Gewichtszunahme nicht Schritt halten kann, können sich diese Tiere nicht einmal mehr richtig auf den Beinen halten. Im Gegensatz dazu unsere Freilandhühner. Sie rennen, hüpfen, scharren und picken auf der Wiese bis zum letzten Tag.

Neben dem Geflügel gehört auch eine Angusherde zum Hof…

Seit 35 Jahren wird auf dem Wendelinhof Mutterkuhhaltung mit Angusrindern betrieben. Aktuell haben wir aber nur ein kleines Grüppchen hier in Niederwil. Der grössere Teil der Rinder ist momentan noch auf unserer Alp im Glarnerland. Dort verbringen Muttertiere und Jungtiere den Sommer. Dieses Jahr war das jüngste Kalb 2 Tage alt, als wir auf die Alp gefahren sind. Den gut 2-stündigen Fussmarsch hat es mit Bravour gemeistert.
Die Daheimgebliebenen tun sich momentan an den Hüllblättern vom Zuckermais gütlich. Aktuell stecken wir da Mitten in der Ernte. Die Maiskolben – diese Woche werden es an die 6 Tonnen sein – werden von unseren Mitarbeitern in Handarbeit geschält. Die Hüllblätter und Reste der Maiskolben bilden ein nahrhaftes Futter für die Rinder. Ausserdem beweiden diese die Maisfelder, nachdem die Kolben von Hand abgeerntet wurden. Die Blätter der Maispflanze werden gern genommen. Und so geht nichts verloren.

Wir bieten unseren Kunden 3kg Poulet-Mischpakete mit Frischfleisch an. So können Sie das Fleisch zur Lagerung tiefkühlen. Wie beeinflusst das die Qualität?

Wir haben selber die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Mustica-Poulets sehr gut zum Tiefkühlen eignen. Wenn das Fleisch langsam im Kühlschrank aufgetaut wird, lässt sich praktisch keine Qualitätseinbusse feststellen. Die Tiere wachsen bei uns viel langsamer und hat dadurch eine hohe Qualität. Zudem vermeiden wir Stress vor der Schlachtung, was sich auf jeden Fall auch positiv auf die Fleischqualität und die Haltbarkeit auswirkt.

Womit wir beim Stichwort Schlachtung wären. Was sind die Vorteile der hofeigenen Schlachtung?

Während der ganzen Aufzucht der Hühner hat für uns das Tierwohl oberste Priorität. Da ist es für uns nur konsequent, dass wir auch beim letzten Schritt, der Schlachtung, den Stress für die Tiere so gering wie möglich halten. Die Hühner werden am Vorabend in Kisten gesammelt und schlafen dann in diesen. Wir beginnen den Schlachttag sehr früh am morgen, so dass die Tiere noch praktisch im Schlaf ins Schlachtlokal kommen. Die Betäubung läuft dann sehr rasch und schmerzlos in einer ruhigen Atmosphäre ab. Lange Transporte in Tiertransportern und Wartezeiten können wir so ganz vermeiden.

In unserer Philosophie steht die artgerechte Tierhaltung an oberster Stelle und wird bei allen Weiterentwicklungen des Betriebs berücksichtigt und kompromisslos umgesetzt.

Kontakt Blog-Redaktion: blog@mahlerundco.ch

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